Düsseldorf. Neuapostolische Christen aus dem Kirchenbezirk Düsseldorf werden am 22. und 23. Januar 2016 erstmals an einer Aktion der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) mitwirken. Bei der zweitägigen Veranstaltung mit dem Titel „Gebetsnacht für verfolgte Christen“ übernimmt die Neuapostolische Kirche eine zweistündige Gebetswache. Außerdem singen Kirchenmitglieder zum Auftakt beim ökumenischen Gottesdienst.
In einer dreiteiligen Serie stellt die Redaktion die Beweggründe, die aktuellen Entwicklungen und die erste gemeinsame Aktion mit der ACK in Düsseldorf ausführlich vor. Im ersten Teil gehen wir der Frage nach, warum neuapostolische Christen vermehrt Kontakte zu anderen christlichen Konfessionen suchen. In diesem Zusammenhang zeigen wir auf, welche Bedeutung die ACK für die Einheit der Christenheit hat.
Christsein in Gemeinschaft aller Christen
Es ist bemerkenswert, wenn jemand eine Rede hält und nach nur fünf Worten das erste Mal von Applaus unterbrochen wird. So geschehen vor knapp eineinhalb Jahren auf dem Internationalen Kirchentag der Neuapostolischen Kirche in München, als die Geschäftsführerin der ACK in Deutschland, Dr. Elisabeth Dieckmann, im Rahmen der Auftaktveranstaltung einige Grußworte an die versammelten neuapostolischen Christen im Olympiastadion richtete. Ihre ersten fünf Worte waren: „Liebe Schwestern und liebe Brüder“.
Dass das Publikum auf diese Anrede mit spontanem Applaus reagierte, ist ein Zeichen für das immer stärker wachsende Verlangen neuapostolischer Christen, mit anderen christlichen Kirchen ein gemeinsames Zeugnis abzulegen und im Miteinander die Menschen zur Gemeinschaft mit Jesus Christus und zur Einheit untereinander zu führen.
Ökumenische Kontakte und Mitgestaltung
Auf nationaler und internationaler Ebene wurde dem Wunsch der Kirchenmitglieder bereits Rechnung getragen. So führt die Arbeitsgruppe „Kontakte zu Konfessionen und Religionen“ (vormals Projektgruppe „Ökumene) im Auftrag des Stammapostels und der Bezirksapostelversammlung seit Jahren Gespräche mit anderen Konfessionen. Diese Begegnungen haben dazu geführt, dass vorhandene Vorurteile abgebaut wurden und gegenseitiges Vertrauen gewachsen ist.
Inzwischen haben in Deutschland bereits über 30 neuapostolische Gemeinden einen Gaststatus in einer lokalen ACK. Die Arbeitsgemeinschaften sind überkonfessionelle Foren auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene, an dem sich viele christliche Konfessionen zu Gesprächen und gemeinsamen ökumenischen Aktivitäten begegnen. In der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen sind bereits neuapostolische Gemeinden in Oberhausen, Krefeld, Mönchengladbach und Köln Gastmitglieder in den lokalen ACK. Die Düsseldorfer Gemeinden im Kirchenbezirk haben einen Beobachtungsstatus. In einigen anderen Regionen laufen Gespräche mit den örtlichen Arbeitsgemeinschaften.
Teil der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche
Warum suchen aber neuapostolische Christen aktiv den Dialog mit Christen verschiedener Konfessionen und speziell den Kontakt zur ACK? Bezirksapostel Rainer Storck, Leiter der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen, hat in einem Rundschreiben vom 26. Oktober 2015 an die Seelsorger seines Arbeitsgebietes einige Antworten dazu gegeben.
Die Notwendigkeit für einen zwischenkonfessionellen Dialog sieht der verantwortliche Seelsorger insbesondere darin, dass sich die Neuapostolische Kirche den Glaubensbekenntnissen der alten Kirche verpflichtet fühlt, womit sich neuapostolische Christen als Teil der einen, heiligen, allgemeinen („katholischen“) und apostolischen Kirche verstehen. Weiter führt der Bezirksapostel aus: „Dies ermutigt uns, verstärkt den Kontakt mit anderen christlichen Konfessionen zu führen. Und dies umso mehr, als das Christentum weltweit vor großen Bedrohungen und Herausforderungen steht. Zu denken ist dabei insbesondere an die fortschreitende Verweltlichung (Säkularisierung) und Gottentfremdung, vor allem in der westlichen Welt.“
Katechismus unterstützt den Dialog
Eine hohe Bedeutung kommt dabei dem Katechismus der Neuapostolischen Kirche zu. Er bringt „das Verbindende und das Unterscheidende unserer Glaubensüberzeugungen zu anderen Konfessionen zum Ausdruck“, so der Bezirksapostel. Dabei sollen die Unterschiede des neuapostolischen Glaubens nicht ausgrenzend wirken, sondern vielmehr ein Ausgangspunkt für einen „fruchtbaren Dialog“ mit anderen Christen sein.
In Bezug auf die ACK unterstreicht der Leiter der Gebietskirche, dass in möglichst vielen lokalen Kreisen eine Gastmitgliedschaft anzustreben sei. Unterstützend dazu ist seit einigen Wochen eine sogenannte „Orientierungshilfe“ veröffentlicht worden. Sie ist eine schriftlich fixierte Empfehlung mit Informationen und Hinweisen, wie die ökumenische Zusammenarbeit zwischen der Neuapostolischen Kirche und den anderen Kirchen gestaltet werden kann. Die Orientierungshilfe ist gemeinsam von der ACK Deutschland und der Neuapostolischen Kirche verfasst worden und liegt als Flyer in den Gemeinden aus (als Download wird sie auch auf dieser Seite oben rechts angeboten).
Auch im Kirchenbezirk Düsseldorf tragen zum Teil jahrelange und mit viel Bedacht und langem Atem gepflegte ökumenische Kontakte inzwischen deutlich erkennbare Früchte. Wie der Stand der Dinge bezüglich Ökumene und ACK im Kirchenbezirk Düsseldorf ist und in welcher Weise hier auf Gemeindeebene die Ziele der Kirchenleitung und der Apostel verfolgt werden, darüber berichten wir im zweiten Teil der ACK-Serie.
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