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Stille, staufreie Autobahn für einen Tag?Freitag, 23.07.2010
Düsseldorf/Dortmund: Wenn drei Millionen Menschen zum Ferienbeginn auf dem Ruhrschnellweg (A40/B1) still stehen, ist das nicht verwunderlich. Doch bei der Aktion „Still-Leben“ der RUHR.2010 stauten sich nicht etwa Autos, LKWs und Caravans. Jugendliche aus der Gemeinde Benrath erlebten am 18. Juli 2010 den ersten Fahrrad- und Inline-Skates-Stau auf einer Autobahn.
Die Fahrbahnen zwischen Duisburg und Dortmund wurden an diesem Sonntag für Autos gesperrt. Spaziergänger, Fahrradfahrer und Inline-Skater bewegten sich auf der Spur in Richtung Dortmund. In der anderen Richtung der „Schlagader des Reviers“ wurde die längste Tafel der Welt auf 60 Autobahnkilometern aufgebaut.
Klingelkonzerte an Autobahnbaustellen
Sechs Jugendliche aus der Gemeinde Benrath fuhren von Bochum-Wattenscheid bis zum Westfalenpark in Dortmund den Ruhrschnellweg. Auf einem auffälligen Tandem mit Anhänger und auf Inline-Skates standen sie zwischenzeitlich, wie es auch die Autofahrer üblicherweise auf der A40 gewöhnt sind, im Stau. Bei Fahrbahnverengungen wie an Baustellen stauten sich die immensen Besucherströme. Die Zeit vertrieb man sich mit einem spontanen Konzert tausender Fahrradklingeln in jeglichen erdenkbaren Tönen und Klängen.
Still-Leben: Autofreie Autobahn mit vielen Menschen erleben
Am Tag zuvor hatten die Jugendlichen das Tandem mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Wattenscheid gebracht. Die Mitnahme von Fahrrädern in Bus und Bahnen des Nahverkehrs war am Sonntag auf Grund der erwarteten Besucherströme untersagt worden. „Sich einmal ohne Auto unter so vielen Menschen zu tummeln war unser Still-Leben“, erläutert Tobias Doogs, der den Lenker des Tandems übernommen hatte, die Motivation zur Teilnahme. „Für die ersten zwei Kilometer der Strecke brauchten wir wegen der zahlreichen Staus zwei Stunden. Zum Glück konnten wir die restlichen zwanzig Kilometer dann aber schneller abrollen“ freuten sich die beiden Schwestern und Inline-Skater Laura und Michelle Urbigkeit aus Benrath.
Picknick an der längsten Tafel der Welt
Auf der 60 Kilometer langen Tafel besetzten die Bewohner des Ruhrgebiets mit kreativen Ideen und Engagement die vielen Tischgarnituren. Es wurde musiziert, gepicknickt und gefeiert. Die Kulturhauptstadt Ruhrgebiet wurde sprichwörtlich gelebt und erlebt. Auch die Benrather Jugendlichen nahmen zu einer kleinen Wegzehrung Platz an der längsten Tafel der Welt.
Friedliches Fest
Viele tausende freiwillige Helfer sorgten für einen fast reibungslosen Ablauf. „Es ist nicht selbstverständlich, dass eine so große Menge an Menschen friedlich feiern kann. Für mich ist das der Lohn für die Arbeit, die ich heute gerne gemacht habe“, erzählte eine Helferin, die um 17 Uhr die Fahrradfahrer von dem Ruhrschnellweg in die Ausfahrten winken durfte.
Am Etappenziel angekommen konnten die Benrather Jugendlichen im Dortmunder Westfalenpark die Beine ausschütteln und Kraft für die Rückfahrt nach Düsseldorf sammeln, die staufrei mit dem öffentlichen Nahverkehr erledigt wurde.
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Artikel: Stephan Dörries; Fotos: Laura Urbigkeit und Detlev Doogs
