In der Samstagsausgabe vom 27. April 2024 veröffentlichte die Rheinische Post in ihrer Printausgabe eine Kolumne von Harald Schmidt. Seit acht Jahren schreibt der Priester geistliche Impulse für die regionale Tageszeitung.
Mit einer verkauften Auflage von mehr als 212.000 gedruckten Exemplaren erreicht die Zeitung täglich rund 759.000 Leser. Nach eigenen Aussagen gehört die Rheinische Post zu den renommiertesten und meistzitierten Medien Deutschlands.
Geistliche Impulse für den Leser
Geistliche der evangelischen und katholischen Kirche schreiben unter der Rubrik „Auf ein Wort“ über Themen der Zeit, die den Leser einen geistlichen Impuls geben sollen. In regelmäßigen Abständen ist die Rubrik für Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) vorgesehen. Seit 2016 verfassen auch Seelsorger der Neuapostolischen Kirche Beiträge zu dieser Kolumne.
In seinem neunten Beitrag zeigt Harald Schmidt auf, dass der Mensch als Abbild Gottes von Natur aus schön ist. Der Priester ermutigt den Leser, sich nicht von äußerlichen Schönheitsidealen beeinflussen zu lassen, sondern den Kontakt zu den Mitmenschen zu suchen und sich im Auge des Nächsten betrachten zu lassen.
Nachfolgend wird der Originaltext der Kolumne veröffentlicht, wie dieser an die Rheinische Post übermittelt worden ist:
Und du bist schön
Ich sehe was, was du nicht siehst – und du bist schön. Ein Satz, der im vergangenen Jahr auf einem Adventskalender prangte, und der mich angesprochen und nachdenklich zurückgelassen hat.
Mit der heiteren Leichtigkeit eines Kinderspiels sagt dieser Satz zweierlei zu mir als Christ. Das erste ist die Gewissheit, dass mein Schöpfer nur schöne Menschen geschaffen hat. Es gibt nicht so etwas wie einen von Natur aus schäbigen Menschen. Ja, im ersten Buch Mose lesen wir, dass Gott den Menschen als sein Ebenbild schuf. Aber die Gottesebenbildlichkeit möchte ich gar nicht anführen, um den Menschen schön zu reden. Denn ich will nicht in die alte Falle eines Gottesbildes tappen, welches sich meinen Schöpfer so vorstellt, wie ich bin. Etwa noch als alten weißen Mann. Mir reicht die Feststellung am Ende der Schöpfungsgeschichte, dass alles sehr gut war, um davon überzeugt zu sein, dass ausnahmslos jeder Mensch gut und damit schön ist. Wer schon einmal die Gnade hatte, ein Baby auf dem Arm zu halten, hat eine Idee von der Unverdorbenheit, mit der wir alle einst ins Leben gestartet sind.
Ein zweiter Aspekt: Die Fähigkeiten des Auges sind überwältigend. Es kann nahezu alles anschauen, nur nicht – und das ist gewissermaßen paradox – sich selbst. Wenn ich etwas über meine Augen und mein Gesicht erfahren möchte, bin ich auf ein Gegenüber angewiesen. Einen Spiegel zum Beispiel. Will ich mehr über mich selbst erfahren, bin ich auf meinen Nächsten angewiesen. Gott hat uns zu sozialen Wesen erschaffen. Er hat uns den Mitmenschen auch als unser persönliches Hellfeld geschenkt. Denn dieser sieht, was du nicht siehst, nämlich dich selbst.
Bitte lassen Sie sich nicht in Ihren kosmetischen Planungen und Überlegungen stoppen. Aber bevor Sie zu übertriebenen Eingriffen an sich selbst schreiten, um einem äußerlichen Schönheitsideal zu genügen, halten Sie bitte kurz inne. Sie sind schön! Die Norm, von der Sie abzuweichen glauben, ist menschengemacht. Sie sind Teil von Gottes Schöpfung. Und die ist sehr gut.
Suchen Sie stattdessen lieber mehr Kontakt zu Ihren Mitmenschen. Lassen Sie den Nächsten sehen, was Sie nicht sehen: Ihr Auge, das Spiegelbild Ihrer Seele. Entwickeln Sie sich an Ihrem Nächsten innerlich weiter, lassen Sie Feedback zu, fragen Sie danach. Denken Sie an das kleine Kind, welches Sie einmal waren. Der Reinheit und Unverfälschtheit des Kindes ist es vorbehalten, in ewiger Gemeinschaft zum Schöpfer zurückzukehren (Mt. 18,3).
Priester Harald Schmidt, Beauftragter für Ökumene, Neuapostolische Kirche Düsseldorf
29. April 2024
Text:
Jörg Rüssing, Harald Schmidt
Fotos:
Harald Schmidt
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