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Kolumne „Auf Ein Wort“ veröffentlicht

 

Düsseldorf. In der Freitagsausgabe der Rheinischen Post vom 16. Februar 2017 meldete sich zum zweiten Mal ein neuapostolischer Seelsorger aus dem Düsseldorfer Kirchenbezirk zu Wort.

Nachfolgend wird der Originaltext der Kolumne veröffentlicht, wie dieser an die Rheinische Post übermittelt worden ist. Die Kolumne hat Diakon Harald Schmidt, Beauftragter für Ökumene im Kirchenbezirk, geschrieben:

Ich habe dich bei deinem Namen gerufen

Die Bibel enthält im ersten Buch Mose (Genesis) eine merkwürdige Szene: Jakob wird von einem Unbekannten angegriffen, verletzt und dann doch verschont. Aber Jakob, der seinen Bruder Esau auf trügerische Weise um den Erstgeburtssegen gebracht hatte, erkennt in dem Unbekannten die Macht Gottes. Er lässt den Mann nicht von sich und fordert, von ihm gesegnet zu werden. Doch statt Jakob zu segnen, fragt der Unbekannte ihn zunächst nach seinem Namen. Jakob stellt sich ihm vor. Darauf sagt der Unbekannte: „Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel“ (1. Mose 32, 29). Danach erst segnet er ihn.

Voraussetzung für den Empfang des Segens war die Namensänderung von Jakob in Israel. Die Bibel deutet den Namen Jakob unter anderem als „Betrüger“ und spielt damit auf sein widerrechtliches Aneignen des Erstgeburtsrechts an. Israel hingegen bedeutet „Gottesstreiter“.

Namen bergen Identität. Das wusste auch der unbekannte Segnende. Namen bedeuten geschenkte Identität. Denn es sind Andere, die uns mit Namen rufen. Und Andere – in der Regel unsere Eltern – sind es auch, die uns den Namen geben. Der Songwriter Herman van Veen bringt es auf den Punkt: Alles, was ich hab', ist ein Name nur. Und lakonisch fügt er hinzu: Den hab' ich von einem andern.

Mit unserem Namen sind alle unsere Lebensgeschichten verknüpft. Unser Name ist das Konzentrat unserer Erfolge, unserer Ängste, unserer Gefühle, Gedanken, Lebensstationen, Biographien. Er ist der Anknüpfungspunkt für alle unsere Beziehungen, die wir zueinander pflegen. Unser Name macht uns unvergesslich bis in alle Ewigkeit – er steht auch auf dem Grabstein.

Die Bedeutung unseres Namens wird im Alltag häufig unterschätzt. Oft genug ersetzen wir ihn unachtsam durch ein „Pro-Nomen“, sagen „er“ oder „sie“, oder auch despektierlich „der da“, „die da“ oder verzichten ganz auf Worte und deuten nur mit einer Geste auf eine Person.

Namensachtsamkeit heißt Achtsamkeit vor der Person. Respekt vor dem, was uns allen nur geschenkt ist, unser Name, bringt mehr Menschlichkeit in diese Welt.

Bei Gott steht unser Name für noch viel mehr: Ruft er uns mit unserem Namen, bedeutet das Bewahrung und Aufgehobenheit. So dürfen wir Jesaja verstehen, wenn er – nun an das ganze Volk Israel gerichtet – sagt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jes. 43, 1).

 

17. Februar 2017
Text: Harald Schmidt, Jörg Rüssing
Fotos: Louis-René Pieper

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