In der Rheinischen Post erscheint zum Wochenende eine neue Kolumne von Harald Schmidt. Der Priester der neuapostolischen Gemeinde Düsseldorf greift darin Jesu Warnung vor Verführern auf und ruft dazu auf, Machtansprüche und moralischen Druck kritisch zu hinterfragen.
In der Rubrik „Auf ein Wort“ warnt der Seelsorger vor Menschen, die unter dem Vorwand religiöser oder politischer Autorität Druck auf andere ausüben. Er ruft dazu auf, kritisch zu hinterfragen statt blind zu folgen – sei es in der Politik, in der Kirche oder im Alltag. Besonders junge Menschen leiden unter subtilen Zwängen sozialer Medien, die mit Idealen und Gruppenzwang ein verzerrtes Selbstbild erzeugen. Ihnen gilt der dringende Appell, sich nicht fremdbestimmen zu lassen, sondern sich selbst so anzunehmen, wie Christus sie annimmt: vorbehaltlos.
Nachfolgend wird der Originaltext der Kolumne veröffentlicht, wie dieser vom Autor an die Rheinische Post übermittelt worden ist. Eine Veröffentlichung des Beitrags ist für den 16. oder 17. Mai in der Printausgabe vorgesehen:
Lauft ihnen nicht nach!
Lauft ihnen nicht nach! Mit diesen Worten warnt Christus seine Jünger vor dem Auftreten von Verführern, die unter seinem Namen Druck machen. Druck in dem Sinne, dass sie das Ende der Welt herbeireden (Lk. 21, 7-9).
Lauft ihnen nicht nach! Die Mahnung Jesu an seine Jünger lässt sich auf alle Zeitgenossen übertragen, die ihre mehr oder weniger große übertragene Macht nutzen, um „pushy“ zu sein. Nicht immer geht es dabei um das Ende der Welt. Die Drohkulissen sind vielfältiger, die dahinter liegenden Interessen oft plumper, das Verhältnis zu Mitmenschen instrumentell.
Druckmacher kennen wir aus der großen Politik: Potentaten, die mit gottähnlicher Attitüde auftreten und von der Annexion halber Kontinente fabulieren. Oder direkt beim Nachbarn einmarschieren. Es geht auch ein paar Nummern kleiner. Unzählige Beispiele ließen sich anführen, in denen in Stadt und Land die Macht des Stärkeren politisch durchgesetzt wird.
Kirche hat ebenso Druck gemacht – jahrhundertelang bis heute. Aus göttlichen Gesetzen wurden tausende Ge- und Verbote erlassen, deren Einhaltung überwacht wurde. Manche davon hatten nur ein paar Jahre Bestand, andere länger. Lauft ihnen nicht nach, macht euch eure eigenen Gedanken, schaut hinter die Kulissen. Ein guter Freund von mir bringt es wie folgt auf den Punkt: Es geht um Rücksichtnahme auf die Gefühle des Nächsten, nie um starre Vorschriften. Ob es sich um Speisegewohnheiten, Art der Kleidung, Haarschnitt, Musikgeschmack, Partnerwahl oder Freizeitgestaltung handelt, all dies und vieles mehr ist Privatsache.
Unseren Kindern und Jugendlichen begegnet Druck in Form ständigen Vergleichs in sozialen Medien. Sie legen ihnen nahe, man müsse einem Idealbild entsprechen. Sie machen weis, dass man ganz bestimmte Apps haben muss, sonst drohe man sozial abgehängt zu werden. Anbieter üben Druck aus in der perfiden Hoffnung, dass mangelnde Lebenserfahrung junger Menschen und ein dem Alter entsprechendes Suchen nach Orientierung die Bereitschaft erhöhen, blind zu folgen.
Lauft ihnen nicht nach! Christus ermutigt uns, uns selbst so anzunehmen, wie er uns annimmt: vorbehaltlos. Wir sind aufgerufen, Druckmachern gegenüber skeptisch zu bleiben, Fragen zu stellen. Ausgestattet mit dem Wertekompass des Evangeliums eigene Positionen zu beziehen.
Lauft ihnen nicht nach! Gott ist Liebe. Und Liebe pusht nicht. Ein Druckerzeugnis halten Sie gerade in den Händen (falls Sie nicht online lesen) – aber Sie sind keines.
Priester Harald Schmidt, Beauftragter für Ökumene, Neuapostolische Kirche Düsseldorf
Bild erstellt mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (DALL·E / ChatGPT, OpenAI). Keine Darstellung realer Personen.
12. Mai 2025
Text:
Harald Schmidt
Medien:
Jörg Rüssing
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