Benrath. Die Kirchenbänke bleiben leer - doch Seelsorger und Gemeindemitglieder finden in diesen Tagen neue Wege, um in Kontakt zu bleiben. Die neuapostolischen Gläubigen aus Benrath trotzen der Corona-Krise mit kreativen Ideen.
Wo gestern noch Gottesdienste gefeiert und Gemeinschaft miteinander gepflegt worden ist, finden sich heute verwaiste Kirchenbänke. In der Kirchengemeinde auf der Sodenstraße in Urdenbach finden seit dem 15. März keine Gottesdienste und keine Begegnungen mehr statt. „Das fühlt sich irgendwie fremd an“, beschreibt Uwe von Oppenkowski eine Gefühlslage, die von vielen Gläubigen geteilt wird. Uwe von Oppenkowski ist Priester in der Kirchengemeinde und betreut zudem alle Seniorinnen und Senioren in den zwölf Gemeinden des Düsseldorfer Kirchenbezirks. „Gerade in Zeiten, in denen es besonders wichtig ist, den Menschen einen Ort für Trost und Stärkung zu geben, sind die Kirchen für Gottesdienste und Gemeindeleben geschlossen.“
In der Benrather Kirchengemeinde suchen Gemeindemitglieder und Seelsorger nach kreativen Lösungen, um miteinander in Verbindung bleiben zu können - ohne sich und andere durch das Risiko einer Ansteckung zu gefährden. Seit ein paar Wochen bestehen eine Reihe von Hilfsangebote und Maßnahmen für die Gläubigen aus der Gemeinde. „Und dies selbstverständlich nicht ausschließlich für Mitglieder der Neuapostolischen Kirche“, ergänzt Uwe von Oppenkowski.
In Kontakt bleiben
Gabi Reichert und Bärbel Wittnebel waren beeindruckt wie schnell der Leiter der westdeutschen Gebietskirche, Bezirksapostel Rainer Storck, die Videogottesdienste nach Bekanntgabe der behördlichen Auflagen kurz darauf einführte. „Wir wollten ebenfalls schnell handeln und den Kontakt zu unseren älteren Glaubensgeschwistern herstellen“, sagt Gabi Reichert, die wie Bärbel Wittnebel Seniorenbeauftragte der Gemeinde ist. Per Telefon und Post nahmen sie umgehend die Verbindung auf. Im Erstkontakt boten sie Hilfe an. Bei weiteren Telefonaten stand der persönliche Austausch im Vordergrund. „So wurde aus der Entfernung Nähe geschaffen, die ganz sicher in den Zeiten nach Corona nicht abgeschafft werden wird“, ist Gabi Reichert überzeugt.
Hilfe beim Einkaufen
Zuerst lehnte er noch dankend ab, als ihm angeboten wurde, Einkäufe für ihn zu tätigen. Einen Tag später rief der alleinlebende Glaubensbruder dann doch telefonisch zurück. „Das ist ja genau das, was die Landesregierung empfiehlt“. Seitdem gibt er regelmäßig seine Einkaufswünsche am Telefon durch und wird prompt mit den bestellten Lebensmitteln versorgt. Ein Beispiel von unzähligen Kontakten, die zwar körperlich distanziert, aber freundschaftlich sehr viel liebevolles Engagement untereinander zeigen.
Zustellung per Gemeindebriefträger
Ein gewohntes Bild in neuapostolischen Gemeinden: Die kircheninterne Zeitschrift „Unsere Familie“ wird an die Abonnenten verteilt, ausgelegt oder in entsprechenden Ständern zum Mitnehmen angeboten. Das funktionierte viele Jahre sehr gut. Seitdem die Kirchen geschlossen sind, ist auch die dortige Verteilung nicht mehr möglich. Spontan entstand eine interne Lösung. Zwei Mitglieder erklärten sich bereit, die Exemplare des 14-tägig erscheinenden Magazins in die Briefkästen der Empfänger zu legen. Sie teilen sich den Gemeindebereich in zwei Zustellbezirke auf und betätigen sich seitdem als sogenannte „Gemeindebriefträger“. Motivation für diesen Einsatz bekommen die beiden Kirchenboten durch dankbare Rückmeldungen in der Gemeindegruppe bei Facebook.
Ämterstunde via Skype
Webmeetings sind gelebter Alltag im Beruf. Aber im kirchlichen Gemeindeleben eher ungewöhnlich. Zumindest bis vor einigen Wochen. Nachdem einige Seelsorger der Gemeinde den Wunsch äußerten, sich virtuell im Kreis der Seelsorger auszutauschen, startete am 7. April das erste Treffen der Amtsträger der Gemeinde via Skype.
Gemeindebrief per E-Mail
Werner Reichert erstellt monatlich einen Gemeindebrief, den die Gemeindemitglieder bei den Gottesdienstbesuchen normalerweise in ausgedruckter Form in die Tasche stecken. Einige erhielten dieses Infoblatt aus persönlichen Gründen schon lange per E-Mail. Nun ist diese elektronische Option Standard geworden. Der Gemeindebrief informiert über wichtige Ereignisse aus dem virtuellen Gemeindeleben, macht Terminänderungen und die Rufnummern sowie Internetlinks für die Telefon- und Videogottesdienste bekannt. Nach wie vor gestaltet und entworfen von Gemeindemitglied Reichert - nur ohne Farbdrucker und Papier.
Seelsorge per Telefon
„Ich habe noch nie erlebt, dass du so oft und so lange telefonierst“ wundert sich Ilona von Oppenkowski, die Ehefrau des Benrather Priesters. Tatsächlich verbringt er viel Zeit am Telefon, vor sich die Anrufliste der von ihm betreuten Gemeindemitglieder. Das allgegenwärtige Thema „Corona“ wird in der Regel nur gestreift. „Danach entwickeln sich Gespräche, wie wir mit unseren Nächsten, unserem Gott, unserem Glauben in diesen besonderen Tagen Kontakt halten können“, erläutert Uwe von Oppenkowski. Der Priester nimmt wahr, dass die Telefonpartner voneinander lernen würden. Es sei für ihn beeindruckend, welche Wege die Liebe finde.
Andacht per Podcast
Am ersten Mittwochabend im April saßen viele Benrather Gemeindemitglieder zuhause vor ihrem Smarthone. Anstelle des ausgefallenden Gottesdienstes erlebten die Zuhörer erstmals einen Podcast ihres Gemeindevorstehers. Priester Dominik Götte stellte kurz und prägnant die wesentlichen Inhalte aus den Leitgedanken zum Bibelwort zusammen. Nach der sehr positiven Resonanz soll der Podcast auch in den nächsten Wochen vom Vorsteher angeboten werden. Die radioähnlichen Beiträge stellen eine Anreicherung zu den angebotenen Videogottesdiensten am Sonntag dar. Die geistlichen Impulse für den Glauben sollen die Gläubigen weiterhin erreichen.
Telefonkonferenz der Gemeinde
Ein Telefonmeeting für Gemeindemitglieder soll das bisherige Angebot an persönlichen Kontakten via Telefon und digitaler Medien erweitern. Unter dem Arbeitstitel „Leitgedanken in 100 Sekunden“ können sich die Benrather Glaubensgeschwister in einer Telefonkonferenz einwählen und in einem größeren Kreis einen kurzen Austausch pflegen. Neben einem geistlichen Impuls zum ursprünglich vorgesehenen Wochengottesdienst ist ein gemeinsames Gebet durch Seelsorger geplant. Das erste Telefonmeeting für die Gemeinde ist für den 15. April vorgesehen.
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