In der letzten Samstagsausgabe von 2024 veröffentlichte die Rheinische Post in ihrer Printausgabe bereits die zehnte Kolumne von Harald Schmidt. Seit mehr als acht Jahren verfasst der Priester und Ökumenebeauftragte des Kirchenbezirks spirituelle Denkanstöße.
In der Rubrik „Auf ein Wort“ schreiben Geistliche der evangelischen und katholischen Kirche über aktuelle Themen mit geistlichem Impuls. Regelmäßig beteiligen sich auch Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und seit 2016 auch Seelsorger der Neuapostolischen Kirche.
Eine zeitlose Botschaft
Die aktuelle Veröffentlichung des Priesters reflektiert die weihnachtliche Zeit, die Freude und das Glück, aber auch das Mitgefühl für diejenigen, die in Not sind. Er betont die Bedeutung von Mitgefühl und die Gefahr der Resignation im Angesicht des Leids anderer. Anstelle des Resignierens sollen die Freude und das Licht von Weihnachten, verkörpert in der Botschaft von Christus, auch in schwierigen Zeiten gefeiert werden.
Nachfolgend wird der Originaltext der Kolumne veröffentlicht, wie dieser vom Autor an die Rheinische Post übermittelt worden ist:
Gott zum Gruß, Weihnachtsblues
Wie ist es Ihnen zu Weihnachten ergangen? Hatten Sie eine glückliche Zeit? War diese angefüllt mit schönen Begegnungen, der Bauch mit guter Speise, die Sinne mit zauberhaften Eindrücken? Friede auch? Also zumindest grundsätzlich und abgesehen von den weihnachtstypischen Plänkeleien?
Die meisten von uns werden vermutlich sagen können: Ja, war schön. Wie immer, nur etwas anders, aber doch schön, ja.
Mitunter gab es diese Momente verlegenen Innehaltens, die wir mehr oder weniger gut ertragen: Meine Welt ist in Ordnung, nicht aber die Weihnachtswelt vieler, der meisten anderen Menschen. Mit Gedanken an die Nachbarin, die in Not, den Familienernährer, der in Arbeitslosigkeit, die Welt, die aus den Fugen geraten ist.
Es steht Christinnen und Christen gut zu Gesicht, wenn sie mitfühlen können und das eigene Glück ins Verhältnis setzen. Wenn das Leid Anderer ihnen nahe geht. In den Geschichten, die wir über Jesus in der Bibel lesen, wird beschrieben, dass ihn das Elend seiner Mitmenschen jammerte. Christus war voller Mitgefühl. Seine Liebe ging bis ans Kreuz.
Ich wünsche uns, dass wir in dieser weihnachtlichen Zeit solche Momente des Innehaltens haben. Auch wenn sie ungelegen kommen und wie ein Spoiler dem Fest die Fahrt nehmen wollen: Sie sind ein Gruß Gottes. Momente, die uns zu einem stillen Gebet veranlassen für all diese armen Menschen, die Frieden ersehnen und von weihnachtlichen Genüssen nur träumen können. Ein stilles Gebet ist der passende Reflex zu einem solchen Weihnachtsblues.
Ich wünsche uns allerdings auch, dass wir uns dabei nicht schlecht fühlen. Festtagsblues ja - aber keine Weihnachtsresignation! Über allem Leid dieser Zeit hören wir den Engel, der den Hirten die Essenz des Weihnachtsfestes zuruft: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren (Lk. 2,10.11).
Mitgefühl ist elementar für unsere Menschlichkeit, Resignation frisst sie auf. Christus ist Lebensqualität, Resignation ein Fiasko. Christus ist Freude. Er ist das Licht, das auch die dunkle Kammer des Nächsten und die ganze Welt zu erhellen imstande ist. Resignation ist unaufhörlich abschattendes „Ja-aber“.
In einer Zeit, in der uns die Bilder und Nachrichten der Welt den Weihnachtsbraten bzw. die vegetarische oder vegane Variante davon im Halse stecken lassen, dürfen, ja müssen Christinnen und Christen sich auf den Grund ihrer Hoffnung berufen: Christ, der Retter ist da! Freue dich, Christenheit. Und lächle.
Priester Harald Schmidt, Beauftragter für Ökumene, Neuapostolische Kirche Düsseldorf
5. Januar 2025
Text:
Harald Schmidt, Jörg Rüssing
Fotos:
Louis-René Pieper
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